Didaktische Aspekte

 Thomas Tinnefeld definiert in seinem Buch "Prüfungsdidaktik" (2002) 8 Merkmale, die Prüfungen wünschenswerterweise erfüllen sollten, um erfolgreich verlaufen zu können:

...wissenschaftliche Orientierung

Tinnefeld meint, wenn er von der wissenschaftlichen Orientierung von Prüfungen spricht, nicht den fachlichen Inhalt der jeweiligen Prüfung. Vielmehr spricht er davon, dass die Vorbereitung und die Durchführung von Prüfungen wissenschaftlich basiert ablaufen soll, d.h. dass sich der Prüfer/die Prüferin ernsthaft Gedanken macht über den Inhalt, die Durchführung, die Fragestellung der Prüfung und sich intensiv mit der Didaktik von Prüfungen auseinandersetzt.

...fundierte Vorbereitung

Auch hier spricht Tinnefeld weniger davon, dass sich der Prüfer/die Prüferin fachlich auf die Prüfung vorbereitet. Das wird vorausgesetzt. Tinnefeld meint vielmehr, dass eine Prüfung dann fundiert vorbereitet ist, wenn die PrüferInnen wissen, "mit welchen Zielsetzungen sie diese oder jene Frage stellen, ob sie zu ermessen in der  Lage sind, ob die Beantwortung dieser Frage für die Prüflinge und ihren Wissensstand angemessen ist, wenn sie sich aus der Sicht der Prüflinge in die Situation der Examinierung hineinversetzen können."

...fachlicher Anspruch

Unter diesem Merkmal versteht Tinnefeld, dass eine Prüfung, die fundiert vorbereitet wurde, auch inhaltlich einem höherem Anspruch genügt. Eine Prüfungssituation, die es dem Prüfer/der Prüferin aufgrund erstklassiger Vorbereitung erlaubt, sich voll und ganz auf den Prüfling zu konzentrieren, mit dem Prüfling in einen Dialog zu treten, ist gewinnbringend für beide Seiten. Unter Umständen kann der Prüfling sogar aus der Prüfung einen neuen Wissensstand mitnehmen.

...Adressatenbezogenheit

Prüfungsfragen sollten immer so gestellt werden, dass der Prüfling sie mit dem Wissen, dass ihm im Seminar oder zur Vorbereitung auf die Prüfung mitgegeben wurde, beantworten kann. Dazu muss sich der Prüfer/die Prüferin immer im Klaren sein, dass das eigene Wissen, das er/sie sich durch jahrelange Forschung, intensive Auseinandersetzung etc. erworben hat, niemals dem Wissensstand entsprechen kann, das der Prüfling nach z.B. einem halbjährigen Kurs hat.

...interaktionale Adäquatheit

Dem Prüfer/der Prüferin muss klar sein, dass die Hauptperson der Prüfling ist. Monologe über das eigene Fach bringen dem Prüfling nichts, fördern höchstens seine Unsicherheit. Deshalb gilt: Der Prüfling ist am Wort, der Prüfer/die Prüferin darf unterstützen, aber nicht übernehmen.

...faire Durchführung

Für jeden Prüfer/jede Prüferin gilt, eine größtmögliche Fairness walten zu lassen. Zwischenmenschliches, im positiven wie im negativen Sinn, soll nach Möglichkeit ausgeblendet werden.

...angemessene Benotung

Unter Umständen kann es in Ordnung sein, eine Prüfung milder zu beurteilen, als dass es die erbrachte Leistung zuließe. Wenn zum Beispiel ein Prüfling unter Prüfungsangst leidet etc., im Unterricht aber immer hervorragende Leistungen bringt, ist eine solche Vorgehensweise vielleicht angebracht. Allerdings muss dann wirklich sichergestellt sein, dass die schlechte Leistung nicht auf mangelnde Vorbereitung zurückzuführen ist. Das festzustellen ist Aufgabe der Prüfers/der Prüferin.

...menschlich korrekt

Fasst man alle oben genannten Merkmale zusammen, so wird klar, dass Prüfungen eigentlich nur einer Anforderung genügen müssen: Sie müssen menschlich korrekt erstellt, durchgeführt und nachbearbeitet werden.

vgl. Tinnefeld (2002): Prüfungsdidaktik, Shaker Verlag S. 18 ff

 

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